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Geschichte zum Solling


Der Solling
0. Einleitung
Ich möchte mein Referat über den Solling in 3 Abschnitte einteilen, zwei befassen sich mit den natürlichen Gegebenheiten, der dritte mit dem, was der Mensch in die-ser Gegend daraus gemacht hat, wie er sich hier mit den natürlichen Voraussetzungen auseinander gesetzt hat.
1. Lage, Geologie, Landschaft
Der Solling gehört zum Oberweserbergland; geologisch gesehen befinden wir uns in einem Teil der Hessischen Senke zwischen den Grundgebirgen des Harzes im Osten und des Rheinischen Schiefergebirges im Westen. Hier gab es im Erdaltertum und im älteren Erdmittelalter eine Abwärtsbewegung der Erdoberfläche, so dass mächtige Ablagerungen von Zechstein, der jüngsten Schicht des Erdaltertums, und von Buntsandstein aus dem Erdmittelalter entstanden. Den Buntsandstein kennen die Marburger ja alle zur Genüge. Er ist ca. 200 Millionen Jahre alt und hier im Solling insgesamt über 1000 m mächtig. 1965 wurde er in einer Darmstädter Habilitationsschrift von Egon Backhaus näher erforscht und differenziert, und die obere Schichtfolge im Mittleren Buntsandstein erhielt den Namen Solling-Folge. Ich habe euch hier einige Stücke mitgebracht aus einem Steinbruch ungefähr 19 km südlich von hier bei Abbecke. In der Zeit des späteren Erdmittelalters, in der Jurazeit, gab es starke tektonische Bewegungen, die Schichtpakete wurden verbogen und gebrochen, und seit dem Tertiär vor ungefähr 60 Millionen Jahren gehoben. So wurde der Solling mit dem gesamten Schichtenpaket von Buntsandstein und darüber liegendem Muschelkalk aufgewölbt, und nachfolgend wurden die obersten Schichtpakete des Muschelkalks und des obersten Buntsandsteins, der auch Röt genannt wird, abgetragen. Sie finden sich deshalb heute nur noch in den Randzonen dieser Aufwölbung. Aus diesem Randgebiet, wo der Muschelkalk noch ansteht, habe ich euch zum Vergleich auch einige Brocken mitgebracht, es ist der obere Muschelkalk, in dem an einigen Stellen auch mit bloßem Auge die versteinerten Trochiten (=versteinerte Teile der Stiele einer Seelilie) erkennbar sind. Diese Steine stammen vom östlichen Rand des Solling, vom Ellenser Wald bei Hilwartshausen, etwa 5 km südöstlich von Dassel. Der Solling im weiteren Sinne umfasst das ganze Buntsandsteingewölbe, dessen Längsachse in Nord-Süd-Richtung verläuft. Westlich und östlich dieses Gewölbes finden sich in Nord-Süd-Richtung angeordnete Streifen von Muschelkalkflächen, an die im Westen das Eggegebirge anschließt, im Osten der Leinegraben. Diese sich anschließenden Muschelkalk-Gebiete sind im Unterschied zum bewaldeten und nur schwach gegliederten Solling im Osten durch schmale Bergrücken und zahlreiche Täler viel kleiner gegliedert und vorwiegend Feldland. Von Süden her treten Werra und Fulda in dieses Sandsteinoval ein, vereinigen sich zur Weser, die sich ein Stück weit durch die Sandsteinschichten hindurchgearbeitet hat und diese hinter Karlshafen wieder verlässt. Geologisch gehören zum Solling demnach auch der Reinhardswald westlich der Weser bis zur Diemel, der Bramwald östlich der Weser und der Kaufunger Wald zwischen Werra und Fulda südlich des Zusammenflusses der beiden Flüsse. Das bis zu 300 m tief eingeschnittene Durchbruchstal der Weser mit seinen meist ziemlich steilen bewaldeten Hängen zerschneidet die geologisch recht einheitliche und sonst kaum gegliederte Landschaft aber so stark, dass die vier Teile als eigenständige Landschaften wahrgenommen werden. Ich werde mich deshalb im Weiteren auch nur auf das Waldgebiet nordöstlich des Weserknicks beschränken. Der Solling im engeren Sinne ist annähernd kreisrund mit einem Durchmesser von etwa 20 km. Die höchste Erhebung ist heute die Große Blöße mit 528m über NN, nicht weit von unserem Quartier. Im zentralen Teil des Solling gibt es einen von SW nach NO verlaufenden Graben-bruch, den Merxhausen – Derental – Graben. In diesem Graben sind die Schichtpa-kete um etwa 400m tief abgesenkt worden, wodurch der über dem Bundsandstein liegende Muschelkalk an der Oberfläche erhalten geblieben ist. Durch die tektoni-sche Beanspruchung ist der weichere für die Erosion durch Wasser stark anfällige Muschelkalk weitgehend ausgeräumt und hat typische Karstformen entwickelt, wie z. B. bis zu 4m tiefe Erdfälle, das sind Löcher in der Oberfläche, die durch unterirdische Auswaschung des Kalkgesteins nachgebrochen sind. Gerade im nahe gelegenen Hellental finden sich solche Erdfälle. Auf der geologischen Wanderkarte, die ich ausgehängt habe, ist dieser Grabenbruch gut zu erkennen. Auffällig ist hier auf der Karte auch das Gebiet südlich des Grabens, von dem mehrere Verwerfungen abzweigen und bei Uslar eine Art Becken bilden, dessen tertiäre Schichten aufgrund von Erosion fast ganz ausgeräumt worden sind. Dies Becken ist mit Löss aus den Eiszeiten gefüllt. Dieses Uslarer Becken ist deshalb die einzige größere Feldinsel im Waldgebiet des Solling. Der Solling selbst ist während der Eiszeiten nicht vom Eis bedeckt gewesen, die Linie der weitesten Vereisung liegt etwas weiter nördlich im Raum Hameln. Im Südosten des Solling, bei Volpriehausen, liegt in erreichbarer Tiefe unter dem Buntsandstein der unterlagernde Zechstein mit Steinsalz- und Kalivorkommen, die in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts auch bergmännisch aus 500 – 800 m Tiefe gefördert wurden. Breit und nach allen Seiten abgeflacht liegt die mächtige Buntsandsteinkuppe des Solling wie ein umgestülpter Teller da. Kein Gipfel erhebt sich als landschaftsprägendes Element. Die Täler sind wenig eingetieft und nur zum Rand des Buntsandsteinmassivs hin gibt es stärkere Höhenunterschiede. Alle Seen im Solling sind künstlichen Ursprungs: Restlöcher vom Braunkohletagebau bei Dellie-hausen, Stauteiche, um den Wasserstand der Bäche zum Hozflößen zu erhöhen, oder Fischteiche. Die ältesten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Auffällig ist, dass viele Seen ein gelblich braunes Wasser haben, das liegt an den Huminsäuren, die aus dem moorigen Boden ausgeschwemmt werden und in einigen Fällen dazu führen, dass das Wasser so sauer ist, dass keine Fische darin leben. Als Besonderheiten gelten die von Natur aus weitgehend baumfreien Hochmoore auf den vernässten Plateaulagen des Solling. Im Mecklenbruch, an der höchsten Stelle des Merxhausen – Derental – Grabens, wächst das Moor seit 4500 Jahren und hat eine 5 m mächtige Torfschicht entstehen lassen. Von etwa 1800 bis 1948 wurde das Moor durch Entwässerung und Torfabbau stark gestört, aber seit den 80er Jahren bemüht man sich im Naturpark um eine Wiedervernässung der Moore, was aber nicht leicht ist und deshalb bisher auch noch nicht voll gelungen ist. 80 - 90% der Fläche sind bewaldet. Die ca. 45.000 Hektar umfassenden Wälder sind das landschaftsprägende Element des Naturparks Solling-Vogler. Der Solling ist damit eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete. Natürliche Vegetation ist überwiegend Buchenwald; heute gibt es aber zu mehr als 50% Fichtenbestände, auch Eichenforste. In den letzten Jahrzehnten wurden die alten Fichten-Monokulturen aber mehr und mehr durch standorttypische Buchen ersetzt. An eini-gen Stellen befinden sich lange Eichenalleen, die vor 250 Jahren von einem Forst-meister angelegt wurden. Im Solling gibt es seit den 60er Jahren Waldökologische Forschungen nahe Silberborn, in deren Rahmen festgestellt wurde, welche Folgen der Säureeintrag für Boden, Vegetation und Fauna hat. Diese Untersuchungen brachten in den 70er Jahren den Nachweis sehr hoher Schwefeleinträge, die aber seit Ende der 80er Jahre stark zurückgingen. Die nicht so hohen Stickstoffeinträge verringerten sich seit den siebziger Jahren hingegen weniger deutlich. Ferner war zwischen 1982 und 1995 eine Halbierung der Bleiablagerungen zu beobachten. Die Untersuchungen zeigten auch, dass die luftgetragenen Immissionen vor allem aus östlicher und südöstlicher Richtung stammen. 1984 bis 1994 fanden im Solling sechs Waldzustands-Erhebungen statt, bei denen sowohl biotische als auch abiotische (insbesondere immissionsbedingte) Schäden erfasst wurden. Innerhalb dieses zehnjährigen Untersuchungszeitraumes stieg der Anteil deutlich geschädigter Bäume von 11% auf 40%. So sind Kronenverlichtungen insbesondere bei 60-80 Jahre alten Fichten und bei 100-120 Jahre alten Eichen und Buchen zu finden.
2. Der Mensch und sein Wirken im Solling
a) Der Solling und seine Randgebiete sind schon im 9. Jahrhundert urkundlich er-wähnt und zwar z.T. als Besitzungen des Klosters Corvey, das wir ja noch besuchen werden, und der Bistümer Fulda und Hildesheim. Ursprünglich die erste Gründung Corveys fand 816 durch Benediktiner-Mönche aus dem Gefolge Karls des Großen in der Nähe der heutigen Ortschaft Neuhaus als Kloster Hethis statt. Hier sollte aus den nicht erbberechtigten Herrschaftssöhnen eine neue Elite geschaffen werden. Die verwöhnten Söhne des hohen Adels haben aber die raue Wirklichkeit des unwirtlichen Solling als unzumutbar empfunden, und so wurde das Kloster schon nach wenigen Jahren in die fruchtbare Weseraue nach Corvey verlegt. 994 hält Otto II in Sohlingen, dem ältesten noch bestehenden Dorf im Solling, einen Reichstag ab. Vor 1000 wird in Dassel eine romanische Laurentiuskirche gebaut. Im Mittelalter gehörte die Region teils zur Grafschaft Dassel, teils zum Bistum Hildesheim und zum Teil dem Herzogtum Braunschweig. Im 18. Jahrhundert ist der Solling politisch zweigeteilt: der kleinere westliche Teil, entsprechend dem heutigen Landkreis Holzminden, war Teil des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel, der größere östliche Teil, entsprechend dem heutigen Landkreis Northeim, gehörte zum Königreich Hannover. Die Grenze zwischen beiden Besitzen verlief durch den schon mehrfach erwähnten Merxhausen-Derental-Graben, was dazu führte, dass die Gemeinde Neuhaus politisch zweigeteilt war und bis 1962 über 2 Bürgermeister, 2 Gemeindeverwaltungen und natürlich auch über zwei Feuerwehren verfügte. Im 19. Jahrhundert war der östliche Teil der Region 2mal preußisch: 1803-1807 und nach 1866, dazwischen gab es hier 1807-1815 das Königreich Westfalen und von 1815-1866 das Königreich Hannover. Jetzt befinden wir uns im Land Niedersachsen. So viel zur nicht ganz übersichtlichen Geschichte des Solling. b) Wirtschaftlich muss man die Entwicklung in mehrere Phasen gliedern. Die ersten Siedlungen gab es im randlichen Solling nach etwa 500, Zeugnis davon legen die Ortsnamen auf –born ab, wie z. B. Schorborn. Seit dem11./12. Jahrhundert führt die zunehmende Besiedlung zur Rodung in den höheren Tälern. Aus der zweiten Besiedlungsphase stammen die Orte auf –hausen, die sich kranzförmig um ältere Siedlungen herum als Platzhaufendörfer entwickelten. Noch jünger sind die von Adligen im späteren Mittelalter planmäßig als Straßendörfer angelegten „Einwegedörfer“ mit regelmäßiger Streifenflur. Allerdings sind viele der Orte, die im Mittelalter im ganzen Solling anzutreffen waren, schon ab dem Beginn des 15. Jh. wieder aufgegeben worden und „wüst“ gefallen, durch Klimaverschlechterungen, Seuchen und auch durch Fehden der sich bekriegenden Adelsgeschlechter, so dass der Hochsolling um 1600 eine weitgehend menschenleere, weglose Wildnis gewesen sein soll, allerdings kein hochstämmiger Wald, wie wir ihn heute hier finden, sondern aus den randlichen Siedlungsgebieten genutzte Waldweide. So ganz hat das aber mit dem Menschenleersein wohl auch wieder nicht gestimmt, denn schon 1397 wird schriftlich überliefert, dass Glas aus dem Solling nach Hannoversch Münden ins herzogliche Schloss geliefert wird. Die Glasmacherei ist unter mittelalterlichen Produktionsverhältnissen im Solling besonders günstig gewesen, denn man brauchte viel Holz als Energiequelle, feinen weißen Quarzsand und Pottasche als Rohstoffe und Wasser. Das alles war hier reichlich vorhanden. Die Quarzsande finden sich in den verschiedenen tektonischen Senken, also in den Gebieten, die bei der Hebung des Buntsandsteingewölbes nicht mit gehoben oder sogar abgesenkt wurden, in ihnen sind die über dem Buntsandstein und dem Muschelkalk liegenden Schichten aus dem Tertiär im Laufe der Jahrtausende nicht völlig abgetragen worden, so dass die tertiären Sande noch vorhanden sind. Die Pottasche wurde durch Verbrennen von Holz hergestellt, aus Buche und Eiche führte sie zur dunklen Grünfärbung des Glases, wurde die Pottasche aus Tanne hergestellt, war das Glas hellgrün. Die mittelalterlichen Glasmacher waren alle in einer festen Organisation, dem Hessischen Gläsnerbund, erfasst, der die Anzahl und Größe der Glashütten sowie die Arbeitszeiten regelte und so wie die Zünfte für alle Mitglieder ein geregeltes Auskommen sicherte. Das war allerdings trotzdem nicht ganz leicht zu erreichen. Die Glashütten des Mittelalters hatten einen enormen Holzverbrauch, was zur Verlagerung der Hütten etwa alle 5 Jahre führte, wenn in der Umgebung wirtschaftlich eben kein Holz mehr zu erreichen war. Für den Solling sind etwa 20 Waldglashütten-Standorte nachgewiesen, es gab aber immer nur 3 bis 4 gleichzeitig. Ein weiterer Grund, warum der Solling um 1600 nicht so ganz menschenleer gewe-sen sein wird, ist die Köhlerei. Seit Jahrhunderten wurden Meiler angelegt, um Holzkohle für die Eisenverhüttung herzustellen. So gab es im 15. Jahrhundert allein im Amt Uslar 56 Köhlermeister. 3-4 Mann legten in einer Saison (ab 1.Mai) 30 – 40 Meiler an, für die jeweils 2 ha Wald die Grundlage bildeten. Durch die Verkohlung verliert das Holz 50% seines Volumens, kann aber sehr viel höhere Brenntemperaturen erreichen. Auch die Köhlerei führte zum Raubbau am Wald, was den Braunschweiger Herzog schon 1532 dazu brachte, eine „Verordnung wider das Brennen im Solling“ zu erlassen. Die Gründung der Papierfabrik Hahnemühle in Relliehausen (1584) ermöglichte zwar, dass die Bevölkerung neben der ertragsarmen Landwirtschaft andere Verdienstmöglichkeiten erhielt, verbrauchte aber auch wieder Holz. Die in der Zeit der Weserrenaissance verstärkte Nachfrage nach Sollingsandstein führte im Nordteil des Solling zu einem wirtschaftlichen Aufschwung des Sandsteingewerbes. Ihren Höhepunkt erreichte die Bedeutung des Sandsteingewerbes im Solling aber erst im 19. Jahrhundert, als bis in die USA exportiert wurde. So findet sich Sollingsandstein z.B. im Sockel der Freiheitsstatue. Der Sollingsandstein eignet sich je nach seiner Zusammensetzung sowohl dazu, in massiven Blöcken zum Bau von Mauern genutzt zu werden, als auch, wenn er mehr Glimmerminerale enthält und deshalb leichter spaltbar ist, als dünnere Plattenform zur Dacheindeckung oder als „Behang“ zum Verkleiden der Außenwände von Gebäuden genutzt zu werden. Als ich vor einigen Wochen durch die Sollingdörfer fuhr, habe ich noch einige solcherart verkleidete Gebäude gesehen. Einen tiefen Einschnitt in die wirtschaftliche Entwicklung brachte der Dreißigjährige Krieg für das Weserbergland, da auch hier vielerorts schreckliche Zerstörungen durch die Truppen Tillys stattfanden. Aber schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts förderten die Landesherren den industriellen Ausbau der Region. Nun ging man aber nachhaltiger vor: Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung im Solling war die 1745 erfolgte Forstreform, die für regelmäßige Anpflanzungen der gerodeten Schläge sorgte und den Wegebau im Wald förderte. Um 1830 wurde dann die letzte Berechtigung zur Waldweide widerrufen, fast gleichzeitig begannen aber leider auch die ersten Versuche zur Aufforstung der kahlen Blößen mit Fichten, statt mit der eigentlich hier natürlich anzutreffenden Buche, weil Fichte anspruchsloser hinsichtlich des Bodens ist und schneller geerntet werden kann. Erst in den letzten Jahrzehnten werden die alten Fichten-Monokulturen wieder mehr und mehr durch standorttypische Buchen ersetzt. Damit man das Holz aus dem Solling besser auch außerhalb verkaufen konnte, hat man z.T. schon im 17. Jahrhundert künstliche Teiche angelegt, deren Wasser die kleineren Sollingbäche einmal im Jahr ausreichend mit Wasser versorgen sollte, damit auf ihnen das geschlagene Holz zur Weser oder bis in die Leine geflößt werden konnte. Dieser Flößerei verdanken z.B. die Lakenteiche an der Ilme um 1680 ihr Entstehen und die Flößer aus den Sollingrandorten ihren Broterwerb. Das Holz wurde nach Öffnung der Teichschotten auf einer Wasser-welle zunächst im Februar von den beiden Floßteichen über die Ilme bis Relliehau-sen, anschließend im April von dort bis zur Leine und dann im Sommer weiter auf der Leine nach Norden transportiert. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts fand die Flößerei im Solling ein Ende. Die Forstarbeiter des Solling waren daneben zumeist auch Kleinbauern, um sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt sichern zu können Auch die Köhlerei in Holzkohlemeilern blühte im 17. und 18. Jahrhundert wieder auf, da die industrielle Entwicklung durch die Landesherren vermehrt nach Holz-kohle als Energieträger verlangte. Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Meilerkohle durch industriell gefertigte Holzkohle endgültig aus dem Solling verdrängt. Eine solche industrielle Verkohlung gab es ab 1896 z.B. in Bodenfelde. Auf dem Fundament der geregelten Forstwirtschaft aufbauend wurden mehrere nun dauerhaft an festen Standorten arbeitende Glashütten neu gegründet, die mit bestimmten Konzessionen zum Holzverbrauch ausgestattet wurden: das waren als erste die Glashütte Hellental (1717-1741), Schorborn (1745-1842), Nienover, Amelith (bis 1926), Polier, Silberborn (bis 1880), Pilgrimsgrund (1775-1841) und Mühlenberg (1783-1841). Die hier erzeugten Gläser waren nun nicht mehr nur Grünglas, sondern durch erhöhte Schmelztemperatur von 1200°C und Beimengung von Manganoxid auch helles Glas, Spiegelglas, Tafelglas und Medizinglas. Die Glasprodukte aus dem Solling wurden durch herzogliche Privilegien geschützt, d.h. die Einfuhr konkurrierender Produkte wurde vom Herzog verboten und der Export bis Paderborn, Göttingen, Hameln, Detmold gefördert. Hauptabnehmer für Tafel- und Spiegelglas war aber der Braunschweiger Hof. Im 19. Jahrhundert schränkte die Konkurrenz aus Hannover den Erfolg ein, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte sich die Verkehrsferne der Solling-Glashütten nachteilig bemerkbar. Seit 2003 führt die Universität Göttingen Grabungsarbeiten am Lakenteich, am Standort der ehemaligen Glashütte, durch. Ziel der Grabungen ist es, erstmals im Solling die Betriebsstruktur einer Glashütte archäologisch zu erforschen. Aus dieser Zeit stammt auch die 1747 gegründete Porzellanmanufaktur Fürstenberg am Rande des Solling im Schloss über der Weser. Auch sie benutzte die tertiären Quarzsande als Rohstoff für die Glasuren. Ein weiterer Wirtschaftszweig war die Eisenindustrie, für die in Sohlingen, Uslar und Dassel (seit 1629) Eisenhämmer und Eisenhütten betrieben wurden. In Uslar und Dassel habe ich im vorbeifahren noch Metallbetriebe wahrgenommen. Außerdem gab es in der alten Hansestadt Uslar im 18. und 19. Jahrhundert noch eine Tabak- und eine Tonpfeifenfabrik. Und auf den Höhen des Solling wurde in den breiten Wiesentälern seit dem 15 Jahrhundert für die Braunschweiger Herzöge Pferdezucht betrieben (bei Neuhaus und Nienover). Die Landwirtschaft hat im Solling wegen des feuchten kühlen Klimas und der armen Böden nie eine Blüte erlebt. Interessant ist vielleicht, dass die Landwirtschaft einerseits stark vom Wald lebte, andererseits ihn aber auch schädigte. Was wir uns heute kaum noch vorstellen können, ist, dass um 1600 das gesamte Vieh vom Wald ernährt wurde. Je nach dem Fruchtansatz der Eichen wurden 6000 bis 15.000 Schweine zur Ei-chelmast in den Wald getrieben, weshalb die Adligen Waldbesitzer die Anpflanzung von Eichen förderten, denn je mehr Tiere in den Wald getrieben wurden, desto mehr Geld- oder Naturalabgaben bekamen sie von den Bauern. Rinder Pferde, Schafe und sogar Gänse wurden von Pfingsten bis Ende September (29.9. St. Michaelis) zur Weide in den Wald getrieben. Das führte zur Verarmung der Wälder, denn die Tiere fraßen nicht nur die Krautschicht unter den Bäumen, sondern verhinderten auch die natürliche Verjüngung des Waldes, was zum ganz typischen Charakter der Hutewälder führte: Wenige locker stehende hohe Bäume, dazwischen kein Unterwuchs. Demgegenüber waren die Mastwälder eine Kombination von mächtigen Eichen und dazwischen für die Brennholzgewinnung genutztem Niederwald. Da diese Art der Waldnutzung den Holzertrag stark einschränkte, ging man Ende des 18. Jahrhunderts dazu über, Hutewald und Mastwald durch Zäune, Mauern oder Grenzsteine von dem Wald abzugrenzen, der zur Holzgewinnung bestimmt war. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Berechtigungen zur Waldweide widerrufen. Die Landwirtschaft war vor allem Subsistenzwirtschaft der gewerblich Arbeitenden. Bis in die 60er Jahre des letzten (also 20.) Jahrhunderts waren die meisten Arbeiter nebenbei auch Selbstversorger-landwirte. Den heutigen Anforderungen an Einträglichkeit wird die Landwirtschaft im Solling sicher nicht mehr gerecht. Mit der nachlassenden Bedeutung der kleingewerblichen Produktion in den Glashütten, der Köhlerei und im sonstigen eher handwerklich strukturierten Gewerbe im Solling setzte um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine spürbare Emigration aus dem Solling ein, vor allem in die USA und nach Jamaika. Eine kurzfristige Erscheinung im Solling war die Braunkohleförderung bei Dellie-hausen, wo meterdicke Flöze zwischen tertiären Sandablagerungen in einem tekto-nischen Graben genutzt wurden. Allerdings wurde nur vom Ende des 19. Jahrhun-dert bis 1968 hier Kohle gefördert. Übrig geblieben ist ein schöner See als Restloch des Tagebaus, der Bergsee. Als neuer Erwerbszweig ist seit den20er Jahren der Tourismus hinzugekommen. Als erster Ort hat Schönhagen Fremdenzimmer angeboten. Die Touristen waren anfangs Besucher aus den städtischen Zentren, die im Hochsolling Erholung suchten. Heute leben im Hochsolling die meisten Erwerbstätigen vom Tourismus. Hier gibt es 450km ausgewiesene Wanderwege in einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete mit sehr schönen und vielfältigen Wandermöglichkeiten. An einigen Tagen im Jahr ist auch Wintersport möglich. Auf gespurten Loipen kann Ski-Langlauf betrieben werden. Die auf Tourismus ausgerichteten Hauptorte im Solling, Neuhaus und Silberborn, haben seit Jahren mit dem Problem abnehmender Besucherzahlen zu kämpfen. Seit 1963 isst der Solling zum Naturpark erklärt worden. Hermann Löns (1866-1914) kam wiederholt nach Hellental im Solling und war angeblich vom Gesang der Mädchen des Ortes so angetan, dass er aus den dort gehörten Liedern eine Auswahl als die Lieder des „Rosengartens“ veröffentlichte. Sie wurden 1927 von Fritz Jöde für Singstimme und Gitarrenbegleitung vertont.
Literatur:
1. Otto Bloß: 800 Jahre Schorborn. 10. – 12. Juni 1950. Bilder aus der Vergan-genheit der Gemeinde Schorborn und der Waldglashütten im Solling. Mur-hardsche Bibliothek Signatur: 35 Hass 2001 A 2466
2. Czyppull, Birgit (Text) und Mitzkat, Jörg (Fotografie): Über Land und Stein. Kulturlandschaft Weserbergland. Vom Sollingsandstein geprägt. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 1998 Murhardsche Bibliothek Signatur:35 1999 A 611
3. Zweckverband Naturpark Solling-Vogler in Zusammenarbeit mit dem Nieder-sächsischen Landesamt für Bodenforschung: Geologische Wanderkarte Mitt-leres Weserbergland mit Naturpark Solling-Vogler, Maßstab 1:100 000. 1990 Murhardsche Bibliothek Signatur: 35 KT 104
4. Lepper, Jochen: Beiheft zur Geologischen Wanderkarte Mittleres Weserberg-land mit Naturpark Solling-Vogler. Hannover 1991 Murhardsche Bibliothek Signatur: 35 KT 104 [Beih.
5. Schäfer, Wolfgang [Hrsg]: Auf dem Lande – Leben im Solling und im Wesertal. Fotografien von Heinrich Fritz (1879-1945). Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 1997 Murhardsche Bibliothek Signatur: 35 2002 A 1992
6. Haefke, Fritz: Physische Geographie Deutschlands. Eine Einführung mit Betonung der Geomorphologie. VEB Verlag der Wissenschaften, Berlin[Ost], 1959, S. 215-216
7. Czyppull, Birgit; Molthan, Heike; Reuter, Dirk: Landschafts- und Wanderführer Naturpark Solling – Vogler. Mit 11 ausgesuchten Wanderrouten abseits ausgetretener Pfade. Wartberg Verlag, Gudensberg, 1996 Murhardsche Bibliothek Signatur: 35 1996 A 1683
8. Internetadressen
www.tu-berlin.de/.../
BioTEAM-de/index.shtml
http://wwwuser.gwdg.de/~jalphei/artsoll.htm
http://www.landkreis-northeim.de/gra/aktuelles/28_3826_DEU_HTML.php
www.landkreis-holzminden.de/ www.nienover.de/ nie_lak.htm
http://www.stadt-dassel.de/
http://www.stadt-dassel.de/touristik/sehenswert/ http://wwwuser.gwdg.de/~fzw/homede/sollingt.htm http://naturschutz.br-h.niedersachsen.de/dez503/npsvtxt.html http://naturschutz.br-h.niedersachsen.de/dez503/npsvmap.html http://www.hutewald.de/ naturpark-solling-vogler@t-online.de http://www.mu1.niedersa...297_L20_D0_I598,00.html http://www.reiseland-niedersachsen.de/lust-auf-natur/schutzgebiete/natur... http://www.umweltbundesamt.de/umweltproben/upb38.htm http://www.umweltbundesamt.de/umweltproben/upb50.htm#Reh http://www.stadt-dassel.de/wissenwertes/geschichte/tor_zum_solling.htm http://www.stadt-dassel.de/wissenwertes/HistorieOrtschaften1/HistorieOrt... http://www.stadt-dassel.de/wissenwertes/wbusch/wbusch1.htm http://www.stadt-dassel.de/wissenwertes/hunnesrueck/Hunnesrück+Erichsbu... http://www.stadt-dassel.de/wissenwertes/FrameWissenswert_das.html http://www.solling.de http://www.net-lexikon.de/Solling.html www.naturparke.de www.mu1.niedersachsen.de http://www.lustaufnatur.net/view_gebiet.php?gebiet=22 http://wwwuser.gwdg.de/~fzw/homede/sollingt.htm http://naturschutz.br-h.niedersachsen.de/dez503/npsvtxt.html