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Kulturveranstaltung „Was sind Sühnekreuze?“


Sühnekreuz„Was sind Sühnekreuze?“

Der Heimatpflege- und Kulturverein Schorborn-Schießhaus hatte zum Kulturnachmittag eingeladen. Thema des Nachmittags sollten die „Sühnekreuze und Mordsteine in unserer Samtgemeinde“ sein.
Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr  groß.  Der 1. Vorsitzende des HKV, Dieter Helmer, konnte nicht nur Mitglieder und Schorborner Bürger begrüßen, sondern auch viele auswärtige Gäste waren der Einladung gefolgt. Schon vor Beginn der Veranstaltung war das Interesse an den ausgelegten Anschauungsmaterialien sehr groß, und das Wiedererkennen einiger „Steine“ regte zum lebhaften Austausch an. Die Gespräche während der Kaffeepause standen dann ganz im Zeichen der Steinkreuze. Nach  der Stärkung mit Kaffee und Kuchen begann Herr Hartmut Blasczyk aus Naensen  mit seiner Präsentation. Seit über dreißig Jahren ist er in Sachen „Sühnekreuze, Mord-und Denksteine und Kreuzsteine“ Deutschland weit  unterwegs, recherchiert, fotografiert und trägt Geschichten, Erzählungen und Legenden zusammen. Zu Beginn seiner Ausführungen erklärte er zunächst, dass alle Kreuzsteine in Grundformen und Ordnungsgruppen unterteilt werden. Die Art der Steine wird in drei große Kategorien eingeteilt, und zwar in Scheibenkreuzsteine, Radkreuzsteine und sonstige Kreuzformen. Als Material wurde in der Regel immer der verhältnismäßig leicht zu bearbeitende Rote Wesersandstein benutzt.
Zu den Scheibenkreuzsteinen gehört z. B.  auch die Platte, die in der Umfassungsmauer eines Hofes in Arholzen eingelassen ist. Warum wurden aber diese Kreuze nun „Sühnekreuze“ genannt? Sühnekreuze sind Denkmale mittelalterlichen Rechts, d. h. um eine Blutfehde zwischen verfeindeten Parteien zu beenden, wurden Sühneverträge geschlossen. Inhalt eines solchen Vertrages war z. B. auch das Aufstellen eines Sühnekreuzes. Auf den Sühnekreuzen des 13. -  16. Jahrhunderts dominierten Bilddarstellungen, Texte und eingeschlagene Jahreszahlen findet man in den seltensten Fällen. Texte waren auch überflüssig, die meisten Menschen waren des Lesens unkundig.
Sühneverträge hatten noch bis 1533 Bestand, erst dann wurden diese privaten Abmachungen durch die Einführung der Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V abgeschafft. Bis ins 17. Jahrhundert lebte jedoch die Tradition der Sühneverträge weiter. 
Weit verbreitet war im Mittelalter auch jede Art von Aberglaube und Zauberei. So schabte man Steinmehl von den Kreuzen ab, um damit Kranke zuheilen oder auch Speisen zu würzen, um damit einer Krankheit vorzubeugen.
Eine Besonderheit in unserer Gemeinde ist der „Ibermannstein“. Er ist der einzige Radkreuzstein in Niedersachsen, stammt aus dem Jahre 1403 und ist mit einer Inschrift versehen.  Ibermann war der Name des Ermordeten.
Auch ein Mord- oder Gedenkstein befindet sich in der Gemarkung Deensen, der „Schmidt-Stein“. Dieser Stein wurde aufgestellt, um an den Tod eines Rittergutarbeiters zu erinnern, der 1919 zwei Wilderer bei der Jagd stellte  und deshalb von ihnen erschossen wurde. Diese Tat wurde jedoch 1927 aufgeklärt und gesühnt.
Herr Blasczyk fügte in seine Erklärungen und Erläuterungen immer wieder Inhalte von Sagen und Legenden zu den einzelnen Steinen ein, so dass die Präsentation sehr kurzweilig und spannend war. Abschließend zeigte er noch Fotografien von „Steinkreuznestern“ oder auch „Kreuzsteinnestern“, das sind Ansammlungen mehrerer Steine, die er in Süd- und Ostdeutschland fotografiert hat. Dieter Helmer bedankte sich abschließend herzlich für den informativen, spannenden und auf historischen  Gegebenheiten beruhenden Vortrag.
Mit intensiven Gesprächen über das Gesehene und Gehörte saß man noch lange zusammen. Aufgrund des bestehenden Interesses beabsichtigt der Vorstand auch eine Wanderung zu den Sühnekreuzen und dem Mordstein zu organisieren.